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"Relikt einer vernichteten Kultur Silberne Besomimbüchse der Familie Nussbaum"



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Dauerausstellung in Osnabrück : "Relikt einer vernichteten Kultur Silberne Besomimbüchse der Familie Nussbaum"



Zeitraum: Dauerausstellung

Im Obergeschoss der Villa Schlikker betritt man gleich rechts einen Raum, der mit vornehmen Eichenmöbeln ausgestattet ist. An der Wand gegenüber sind verschiedene Gegenstände ausgestellt, die religiöse Bekenntnisse dokumentieren, darunter evangelische Konfirmationssprüche und Erinnerungsbilder von katholischen Kommunionsfeiern.

Für die Sozialisation jedes einzelnen spielt die Religion - wenn auch mit unterschiedlicher Intensität - eine wichtige Rolle. So auch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, denen die Objekte in diesem Raum entstammen. Im alltäglichen Miteinander ist den Menschen ihre Religion kaum anzusehen. Egal ob, christlich oder jüdisch: Der Alltag sieht nahezu gleich aus. Die ausgestellten Möbel hätten das Arbeits- und Esszimmer jeder wohlhabenden Osnabrücker Familie der Zeit bestücken können. Sie entstammen der Villa Schlossstraße 11, deren Bauplan von 1922 auf dem Tisch zu sehen ist. Dort lebte die Familie von Felix Nussbaum: Osnabrücker jüdischen Glaubens, der Vater national gesinnt und stolzer Teilnehmer des Ersten Weltkrieges, wie ein Gedicht in der Hörstation verrät.

1906 stifteten Nussbaums gemeinsam mit der ihnen verwandtschaftlich und geschäftlich verbundenen Familie Gossels die silberne Besomimbüchse in der kleinen Wandvitrine. Anlass war die Einweihung der neuen Osnabrücker Synagoge in der Rolandstraße (heute Alte Synagogenstraße). Besomimbüchsen spielen im jüdischen Ritus eine wichtige Rolle. Am Sabbatausgang - also Samstagabend nach Sonnenuntergang - wird beispielsweise an den Gewürzen gerochen, die in dem turmähnlichen Behältnis aufbewahrt werden.

Das Kultobjekt dokumentiert mithin die noch bestehenden religiösen Wurzeln zweier Familien, die dem für die 1920er Jahre typischen liberalen Reformjudentum zuzurechnen sind. Es ist zugleich Zeugnis für das im Holocaust zerstörte jüdische Leben der Stadt. Das Ende kam, als die nationalsozialistischen Machthaber 1933 vom "Braunen Haus" aus ihr menschenverachtendes Regiment führten. Dokumente auf dem Schreibtisch erinnern an die Stigmatisierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Osnabrück nach 1933, an die Zerstörung ihrer Geschäfte, den Brand der Neuen Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 und an die Enteignung ihres Besitzes.

Das Ende der Gossels und Nussbaums, die den gegen sie gerichteten Hass nicht verstehen konnten, steht stellvertretend für das Schicksal der gesamten jüdischen Gemeinde in Osnabrück. Nur drei der dreizehn Mitglieder der beiden Familien starben eines natürlichen Todes. Alle übrigen kamen 1944 in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz und Stutthof um.

Die wenigen Überlebenden des Holocaust, die Ende 1945 nach Osnabrück zurückkehrten, sahen sich nach wie vor antisemitischen Tendenzen ausgesetzt. Dennoch gelang es, erneut eine Gemeinde zu gründen. Bei der Grundsteinlegung für die neue Synagoge in der Barlage 1969 begründete der Vorsitzende den Entschluss zum Neuanfang: "Der Wiederaufbau […] war für uns Mitglieder der jüdischen Gemeinde ein schweres seelisches Ringen. Unsere jüdische Pflicht fordert jedoch - seit der Wüstenwanderung - von uns: ein Zelt dem Ewigen aufzuschlagen, wo immer wir auch sein mögen." In den letzten Jahren scheint es der Gemeinde zu gelingen, sich durch den Zuzug aus der ehemaligen Sowjetunion endgültig zu stabilisieren.
Eintrittspreise (alle Häuser):
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
Familienkarte: 12 Euro
Gruppen ab 12 Personen: 4 Euro pro Person
Schulklassen: 30 Euro (inkl. Führung)
Führung (bis 25 Personen: 36 Euro zzgl. Eintritt)

Haus der Erinnerung - Alltagskultur 20. Jahrhundert
Villa Schlikker, Heger-Tor-Wall 27
Einzelbesuch: 2 Euro, ermäßigt 1 Euro
Busverbindungen:

S10, 11, R11, 12, 13, 31, R31, 32, 33, X150 - Heger Tor
Barrierefreiheit:

Behindertengerechte Zugänge sowie WC in den Hauptgebäuden (nicht in der Villa Schlikker)
Parken:

Stadthausgarage, Nikolaigarage
Eine Haltestelle für Reisebusse befindet sich an der Lotter Straße direkt vor dem Eingang des Felix-Nussbaum-Hauses.

Telefon:
0541 323-2207 oder 0541 323-2237
Fax: 0541 323-2739
Museumspädagogik
Telefon: 0541 323-2064
museumosnabrueck.de


Öffnungszeiten:
dienstags bis freitags: 11 bis 18 Uhr
jeden ersten Donnerstag im Monat: bis 20 Uhr
samstags und sonntags: 10 bis 18 Uhr



Internetadresse:  http://www.osnabrueck.de/16489.asp



Bitte vergewissern Sie sich bezüglich der Aktualität dieser Informationen beim Veranstalter.


Osnabrück

Dauerausstellung

Adresse:
Heger-Tor-Wall 27
49078 Osnabrück

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags: 11 bis 18 Uhr
jeden ersten Donnerstag im Monat: bis 20 Uhr
samstags und sonntags: 10 bis 18 Uhr

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Dauerausstellung

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Dauerausstellung

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Dauerausstellung

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