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"high and dry. Eine Stadt versucht zu überleben. Fotografien von Mark Broyer"

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Ausstellung in Bremen : "high and dry. Eine Stadt versucht zu überleben. Fotografien von Mark Broyer"



Zeitraum: 02.11.2019 bis 28.02.2020

Mark Broyer, geboren 1979, ist Art Director und Fotograf in Hamburg. Er studierte Grafikdesign an der Kunsthochschule Wandsbek und arbeitet heute als freiberuflicher Art Director für verschiedene Design- und Werbeagenturen. Seit 2013 widmet er sich gleichzeitig seinen eigenen fotografischen Projekten. Im letzten Jahr hatte er mit »The Void. A Hidden Story« seine erste Soloausstellung im Raum Hamburg.

Das Fotografieren erlernte Mark auf zahllosen Reisen, aber auch auf ausgedehnten Streifzügen durch die Stadt. Als Autodidakt hat er sich bis heute einen unbeschwerten Zugang zur Fotografie bewahrt, seinen ganz eigenen Blick und die künstlerische Freiheit, Schönheit im Gewöhnlichen zu entdecken: »Trying to find the beauty in the ordinary.«

Bei den Bildserien von Mark fällt die Abwesenheit von Menschen auf. Das kostbare Gefühl, allein zu sein, als Einziger zu beobachten, lässt uns unwillkürlich näher treten, genau hinsehen, neugierig werden. Leere und Einsamkeit verlieren an Bedeutung - was bleibt, ist ein Moment größtmöglicher Intimität und Lebendigkeit.

Die Serie »high and dry« ist im Mai 2017 in der Wüstenstadt Trona im kalifornischen San Bernardino County entstanden. »Die Stadt hat eine interessante und tragische Geschichte«, schreibt Mark. Am westlichen Rand des Searles Lake gelegen, einem trockenen Seebett südwestlich des Death Valley, hat sie ein wüstenhaftes Klima mit extrem heißen Sommern. Ihr Name leitet sich von dem Mineral Trona her, das im Seebett vorhanden ist, ebenso wie weitere Mineralien und 99 der 103 Chemikalien des Periodensystems der chemischen Elemente.

Die englischsprachige WIKIPEDIA wie auch ein Artikel aus dem Berliner TAGESSPIEGEL von September 2008 berichten, dass Trona heutzutage bekannt ist für Isolation und Verödung, es regieren Arbeitslosigkeit, Langeweile und Drogen-Tristesse. Nationale Aufmerksamkeit erlangte der Fußballplatz der Schule, der als einziger in den USA aus bloßem Erdreich besteht, da die sengende Hitze und der salzige Boden das Gras töten. Auch auf dem Golfplatz schaut es nicht anders aus, mit Ausnahme der »Greens«, die eine weichere Sorte braunfarbener Erde darstellen.

Offiziell gegründet wurde Trona 1913 als eigenständige Unternehmensstadt von der Bergbaugesellschaft Searles Valley Minerals. Das Unternehmen machte viele Angebote, um Arbeiter anzulocken. Die Schule wurde subventioniert, ein großes Krankenhaus gebaut, die Stadt bekam ein Kino, eine Bibliothek, ein Schwimmbad. Alles für einen Ort in der Wüste mit gerade mal 6.000 Einwohnern: Damals galt Trona als industrielle Vorzeigestadt.

Es entstand die Chemiefabrik American Potash and Chemical Corp., eine Eisenbahn zum Südpazifik wurde gebaut. Der bemerkenswerteste Aufschwung ereignete sich während des Ersten Weltkrieges, als Trona die einzige zuverlässige amerikanische Kaliquelle war, ein wichtiges Element in der Herstellung von Schießpulver.

Doch auf den Boom folgte der Abschwung, in den 1990er Jahren kam es zu einer großen Entlassungswelle. Es wurde nicht mehr in die Stadt investiert, allmählich zerfielen Infrastruktur und soziales Leben der Stadt. Die meisten bisherigen Einwohner zogen weg und viele der verbliebenen Einwohner wurden von der Droge Crystal Meth abhängig.

Heute leben ungefähr noch 1.900 Menschen in Trona. Die meisten sind arbeitslos, viele schlagen sich einfach so durch. Es gibt kaum Jobangebote, gerade mal eine Tankstelle, eine Bar, ein Motel. Das reicht natürlich nicht, um einen ganzen Ort zu beschäftigen. Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Leute in Trona Drogen nehmen oder ihr eigenes Crystal Meth produzieren. Die Stadt ist so abgelegen, dass arbeitslose Chemielaboranten ungestört ihr eigenes Drogenlabor einrichten können.

Mark, der Fotograf der Serie, gibt seinen Eindruck von seinem Besuch in Trona so wieder: »Es fühlt sich an, als hätte man die Stadt einfach im Stich gelassen, nachdem ihre Rohstoffe nicht mehr so wichtig waren. Und somit auch einen Teil ihrer Bewohner.«

Auch schreibt er: »Ich fand es bemerkenswert, dass dort immer noch Menschen leben und auch an diesem Ort hängen.« Näheres erfährt man aus einem Artikel in der LOS ANGELES DAILY NEWS von Oktober 2005, wo von grenzenloser Freundlichkeit der Tronaner die Rede ist, von menschlichen Juwelen, jungen wie älteren, von Weggezogenen, die zurückkehren (»I'm proud of my town. Some of the best people live here.«) sowie von einer besonderen Geschichte von Großmut und Fairplay, welche immer noch glänze und tief ginge.

Einmal streikten die Arbeiter der Chemiefabrik für gleiche Rechte für alle Mitarbeiter. Damals waren weiße Arbeiter in anständigen Baracken untergebracht und wurden im Speisesaal gut ernährt. Der große Belegschaftsteil der Latinos musste in Zelten leben und selbst kochen. Obendrein hatten die Latinos mehr Arbeitsstunden zu leisten und schwierigere Arbeitsbedingungen als ihre weißen Kollegen. Keine der beiden Gruppen war der Ansicht, dass die Behandlung der Latinos richtig oder fair sei. Die Weißen standen Schulter an Schulter mit den Latinos. Zwar verloren sie den Streik, aber er war der Anfang vom Ende der ungleichen Behandlung.

Die Ausstellung im Gastfeld ist die erste Einzelausstellung dieser Serie.

Im LOMOGRAPHY MAGAZINE haben wir ein interessantes Interview mit Mark von Januar 2018 gefunden, das wir hier in Auszügen wiedergeben:

- How would you define photography?
It is all about finding beauty in the ordinary. Sometimes you just have to take a closer look or take a different perspective to see the hidden story.

- What's your favorite thing about taking photographs?
That I do not have to rely on anybody than myself to create stuff. There are no rules I have to follow. Especially at night, it has a meditative feeling to go outside and shoot photos.

- Let's talk a bit about your work - how would you describe your photographic style/approach?
It is all about color and available light.

- Who or what would you say was the biggest influence in your work?
I once saw a painting of Roman Opalka. He painted numbers from one to infinity in tiny horizontal rows on canvas. Each new canvas took up the counting where the last left off. Theoretical everybody could do this but in effect nearly nobody would do. But he did it and created something unique just by persistence! I was blown away by this.
It is a great motivation for me. I always think of this when I take photos. Most images become much better when they a part of a series.

- How do you stay creative?
I try to photograph as much as I can. Because I will find an idea by just doing stuff.

- We are in love with your »After Hours« series - they have that cinematic feel to them. Were you going for that particular look/aesthetic?
Thank you! Yes, I am looking for these places which look like a movie set only waiting for the appearance of the actors.

- We also noticed that your other projects look like they could belong to different films. Style-wise, what pushed you to go in that direction?
I often think in movie scenes when I take a picture. In general, I try to leave space in my photos, where one can tell their own story.

- What are you trying to get across with your photography?
Overall I focus on the urban environment and how this reflects the lives of its people.

Die Vernissage findet in Anwesenheit des Fotokünstlers am Samstag, den 02.11., um 20.00 Uhr statt. Die Bremer Kunststudentin Esther Räther wird einleitende Worte sprechen und das neue Bremer Singer/Songwriter-Duo Sweet Nelly im Anschluß ein Konzert geben.


Öffnungszeiten:
täglich von 17.00 Uhr bis 02.00 Uhr



Internetadresse:  fotokunstgalerie.com



Bitte vergewissern Sie sich bezüglich der Aktualität dieser Informationen beim Veranstalter.


Bremen

Zeitraum: 02.11.2019 bis 28.02.2020

Adresse:
Gastfeldstraße 67
28201 Bremen

Öffnungszeiten: täglich von 17.00 Uhr bis 02.00 Uhr

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